Reisebericht: Durchs Salzkammergut von Nord nach Süd

Christina durchwandert ihre wunderschöne Heimat

Seit ich aus dem Kinderwagerl aufstehen kann, bin ich zu Fuß auf den Wanderwegen des Salzkammerguts unterwegs. Ich kenne wohl fast jeden Weg und beinahe alle Gipfel meiner Heimat, die für mich die schönste aller Wanderregionen ist. Natürlich gibt es auch in Teneriffa, Norwegen und Sardinien umwerfende Landschaften, doch wenn ich nur eine einzige Region wählen dürfte, würde ich auf jeden Fall im Salzkammergut bleiben. Denn hier gibt es eine fantastische Kombination von wunderschönen Bergen und türkisblauen Badeseen, ein Mix aus lieblichen grünen Almen und anspruchsvollen hohen Felsgipfeln, lautes Kuhglockengebimmel und stille Steinwüsten auf abgelegenen Hochplateaus. Es gibt wunderbare Höhenwege und fantastische Tiefblicke auf glitzernde Wasserflächen und es gibt superleckeren Kaiserschmarrn mit frischer Milch in urigen Berghütten.  

Christina während ihrer Wanderung im Salzkammergut

Höhenwege, Seen & Dachsteingletscher

Auf unserer neuen Wanderreise vom Traunsee zum Gosausee durchwandern wir die Region des Salzkammerguts von ihren nördlichen Grenzen am Traunsee bis zu ihrem südlichen Eckpfeiler, dem Dachsteingletscher. Besonders gefällt mir hierbei die ausgefallene Wegführung, welche bewusst auf die touristisch stärker frequentierte UNESCO-Region bei Hallstatt verzichtet.

Stattdessen blicken wir mal in unbekanntere Ecken und erkunden einige entlegene Winkel des schönen Salzkammergutes...denn dort gibt es viel zu entdecken!

Blick auf den Traunsee mit Bergpanorama

Auftakt am Traunsee

Los geht es am Traunsee, dem tiefsten aller Salzkammergut-Seen. Eingerahmt wird er vom Toten Gebirge und vom Höllengebirge, am Nordende liegt die offizielle Hauptstadt des Salzkammergutes Gmunden. Um das alles vom besten Aussichtsplatz betrachten zu können, führt die erste Etappe gleich steil hinauf zum ersten Panorama-Gipfel. Zugegeben: Der Anstieg ist ziemlich fordernd, aber es lohnt sich wirklich! Die kleine Sonnstein-Hütte liegt wie ein Adlerhorst im Felsen und die Tiefblicke auf den See und die von oben betrachtet winzig kleinen Schiffe sind atemberaubend. Auch das Delta des Traun-Flusses am Südende des riesigen Sees ist gut zu erkennen. Hinunter geht es über den großen Sonnstein in den Salinenort Ebensee, der vom Massentourismus völlig übersehen wurde und sich somit ideal als Übernachtungsstation anbietet.

Felswüste Höllengebirge

Am nächsten Tag geht es per Seilbahn in knapp 10 Minuten um 1000 Höhenmeter aufwärts zum Feuerkogel. Anfangs treffen wir hier noch auf Kühe, Bergrestaurants und Skilifte, doch schon nach ein paar Schritten tritt man in eine ganz fantastische Bergwelt ein! Die Hochfläche erinnert an eine Mondlandschaft oder Felswüste, auf der nur noch niedrige Latschenbüsche wachsen und jegliches Wasser sofort versickert. Jedes Mal, wenn ich hier hinauf gehe, bin ich überwältigt! Von Dolinen und Felsklüften durchzogen zeigt sich das riesige Hochplateau mit seinen zahlreichen Gipfeln und Kuppen. Grau, wild, felsig und fantastisch vielfältig, vor allem wenn man genauer auf die unterschiedlichen Formationen der Kalkstein-Felsplatten und Abgründe achten! Gut markierte Wege führen uns durch die Felsen und Latschengassen auf den großen Höllkogel, den Kesselgupf, zum Europakreuz und natürlich zur urigen Riederhütte.

In diesem kleinen Bergsteigerstützpunkt in einer Senke des Plateaus habe ich einige Saisonen gelegentlich ausgeholfen. Ich liebe diese Abgeschiedenheit: hier sieht man kein Tal, keine Elektroleitung und kein Auto...trotzdem gibt’s für Wanderer Speis und Trank. Lebensmittel werden hierher ausschließlich mit dem Helikopter oder auf den Schultern der Hüttenhelfer transportiert. Auch wenn ich das Höllengebirge schon oft durchwandert haben, die mondartige Fels-Landschaft begeistert mich immer wieder.

Wieder ins Tal gegondelt fahren wir mit der Salzkammergut Regionalbahn in die Kaiserstadt Bad Ischl. Hier lohnt ein Besuch in der (bis Mitternacht geöffneten) Therme, wo man im warmen Solewasser baden kann – eine fabelhafte Entspannungskur für den Körper. Am nächsten Tag fühlt man sich tatsächlich wie neugeboren.

Blick auf St. Wolfgang

Weiter zum Wolfgangsee

Die dritte Etappe ist die einzige, auf der wir uns mit weniger Höhenmetern in Talenähe bewegen, dafür aber umso mehr Kilometern zurücklegen. Auf den Lieblingswegen der Kaiserin Sissi geht es hinauf zum Nussensee, einem kleinen Bergsee, der versteckt im Wald unter hohen Bergflanken liegt. Den Rundwanderweg um den kleinen See habe ich schon als kleines Kind so sehr geliebt. Die Stille und die dunkle Wasseroberfläche machen diesen Ort zu einem ganz Speziellen! Bald überschreiten wir die Grenze ins Bundesland Salzburg und wandern längs des hellblauen Ischl-Flusses bis an den weltberühmten Wolfgangsee. In Strobl haben wir uns an der Seepromenade erstmal einen Eiskaffee verdient und blicken auf die herrlichen Buchten. Lohnenswert ist auch das sogenannte „Seewegerl“ durch ein wunderschönes Naturschutzgebiet direkt am Ufer entlang. Hier warten die schönsten Badeplätze mit bestem Blick aufs gegenüberliegende St. Wolfgang mit dem Weissen Rössl und den Schafberg mit der Zahnradbahn.

Ins Reich der Almen

Nach einer Übernachtung am (für mich) schönsten aller Seen verlassen wir das Tal wieder und steigen hinauf in Österreichs größtes Almengebiet, die Postalm. Vorbei an der Schwarzeneck-, Niedergaden- und Wiesleralm erreichen wir nachmittags das weitläufige Weidegebiet, wo hunderte Kühe und Rösser ihren Almsommer verbringen.

Kuhglockengebimmel und wunderschöne Blumenwiesen begleiten uns auf dem Weg zur Hütte, wo wir die Nacht mitten in den Bergen verbringen

 Mein Tipp: Schauen Sie nachts mal hinaus: der Sternenhimmel ist hier wirklich gigantisch!

Am nächsten Tag geht’s weiter über die Weideflächen und Wiesen, das Almplateau ist riesig!

Vorbei am höchsten Gipfel des Gamsfeldes erreichen Sie die Rinnbergalm, wo eine Einkehr bei frischen Milchprodukten und köstlichen Mehlspeisen obligatorisch ist... Auf der Alm da gibt’s kei Sünd... ;-)

Auf der Südseite des Almgebietes steigen wir nun hinab ins verträumte Bergdorf Russbach und nähern uns bereits dem Dachstein. Eine kurze Busfahrt über den Pass Gschütt bringt uns „in die Gosau“, ein langgestrecktes sonniges Hochtal, eingerahmt von zackigen Felskämmen und weitläufigem Bergwald. Das Gosauer Wappen zeigt eine Muschel – ein Hinweis auf die vielen Fossilien, die wir hier als Versteinerung im Kalkstein -Gebirge entdecken können. An den steilen Hängen fühlen sich Gämsen, Rotwild und Rehe pudelwohl...und wir Wanderer freuen uns auf ein gemütliches Quartier, wo wir die letzten beiden Nächte in alpiner Umgebung verbringen dürfen.

Wanderrast am Höhenweg über den Gosaukamm

Auf zum Gletscher

Auf der letzten Etappe wandern wir Schritt für Schritt näher Richtung Gletscher. Ein wunderbarer Waldweg führt über Wurzeln und Holzstege stetig aufwärts zum Gosaukamm, ein Bergmassiv, das auch „Salzburger Dolomiten“ genannt wird. Direkt unter dem Donnerkogel erreichen wir die Gablonzer Hütte und erblicken gegenüber das ewige Eis des Dachsteins. Unsere Majestät „König Dachstein“, ist der knapp 3000m hohen Bergriese, der das Salzkammergut im Süden begrenzt. Die verschneite Schneezunge des Hallstätter Gletschers leuchtet unverkennbar weiß, das schneefreie Blankeis wirkt blaugrau. Zu seinen Füßen liegen die Gosauseen, eines der berühmtesten Fotomotive der Region. Per Gondel schaukeln wir in nur 4 Minuten entspannt hinab an dessen Ufer und bewundern das Spiegelbild des Gletschers im Wasser – ein unvergesslicher Anblick und krönender Abschluss unserer Wanderreise.  

Christina blickt auf die Seen des Salzkammerguts

PROSIT - Auf die Kraf der Natur

Nun dürfen wir anstoßen auf eine erlebnisreiche und eindrucksvolle Wanderwoche durch eine wunderbare Berg- und Seenwelt, die so reich an Natur-Schönheiten ist, dass ich mir (obwohl ich alles schon hundertmal gesehen habe) immer wieder denke: Wow!

Welche gigantische und geniale Landschaft vor unseren Augen und unter unseren Füssen liegt – und wieviel Energie und Naturkraft darin liegt: Sie wartet nur darauf durchwandert zu werden! Denn wer das Salzkammergut von Nord nach Süd zu Fuß durchquert, der kann die besondere Atmosphäre und Kraft der Natur so richtig spüren!

Robi auf dem Fahrrad
Christina Keltenich
Bis bald, eure Christina
Christina Keltenich
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