Mit dem Mauszeiger auf Weitwanderung

Christina berichtet von ihren Erkundungstouren im Hotel Heimat

Normalerweise testet Christina unsere Wanderreisen, erforscht die besten Wanderwege und sucht nach der idealen Routenführung, damit Sie schließlich einen traumhaften Wanderurlaub erleben können. Doch auch für sie ist zur Zeit alles anders: Statt Tourenausarbeitungen mit täglichem Kofferpacken ist Christina nun schon seit mehreren Wochen im "Hotel Heimat" untergebracht. In ihrem Bericht aus dem Homeoffice erzählt sie von ihrem neuen Alltag, verrät spannende Insider-Informationen und zeigt uns, wie schön die Heimat sein kann. Lesen Sie am besten selbst:

Ein etwas anderer Frühling

"Um diese Jahreszeit bin ich üblicherweise mit Tourenski am Gletscher, als Schneeschuh-Guide auf den Hochalmen und für Eurohike im Süden Europas, um neue Wanderreisen zu erkunden. Normal bin ich also von März bis November fast durchgehend auf Eurohike–Tour, mit nur wenigen Zwischenstopps zu Hause - wohnhaft im Hotel und jeden Tag woanders.

Doch dieses Jahr kam es ganz anders: Ausgangsbeschränkung und Reisewarnung! DAHEIM BLEIBEN...und das sogar mehrere Wochen am Stück! Oha – für mich etwas ganz Ungewohntes! Aber man kann es sich auch in der Heimat schön machen, besonders wenn man am Wolfgangsee im wunderschönen Salzkammergut zu Hause ist! Auch wenn man derzeit nicht in die Ferne reisen kann, hält mich das nicht vom Wandern ab! Fernreisen mache ich mit dem Finger auf der Landkarte und Wandern kann ich auch daheim. Zum Glück ist Spazierengehen erlaubt und „Spaziergang“ ist ja ein dehnbarer Begriff.

Virtuelles Wandern im Hotel Heimat

Statt dem täglichen Reise-Programm mit Frühstück und Abendessen im Hotel, Kofferpacken, Check-In und Check-Out, Warten in Abflughallen und an Bahnhöfen, unbekannten Menschen und Orten etc., bin ich nun also zu Hause: selber Frühstück machen und kochen, Homeoffice und Mauszeiger-Touren, keine Formalitäten an der Rezeption, keine Unterkunftssuche und kein Kofferschleppen, so ein „Hotel Heimat“ hat zwar kein Zimmerservice, aber so manche Vorzüge. Jeden Tag in den eigenen vier Wänden nächtigen und speisen, da kann man es sich mal richtig gut gehen lassen! Ich finde durchaus Gefallen an dieser sehr gemütliche Art zu reisen, so kann ich jeden Tag ganz Europa durchqueren: morgens in Norwegen wandern, mittags in Südtirol vorbeischauen und abends noch schnell in Teneriffa eine Runde drehen - und das alles im Sitzen, sehr kommod. 😊

Wenn es mal zu steil und zu anstrengend wird, dann schalte ich schnell den Bildschirm ab und mache drei Schritte zur Kaffeemaschine, sowas geht auf einer echten Reise natürlich nicht! Doch auf diese Weise habe ich in den letzten Wochen schon tausende von Wanderkilometern nur per Mauszeiger zurückgelegt und wunderbare Touren erforscht.

Das ist natürlich nur ein kleiner Beitrag zur Vorarbeit, denn all diese Regionen wollen vor Ort inspiziert werden. Schon jetzt kribbeln mir die Fußsohlen und ich hoffe, dass ich bald wieder auf große Tour zu gehen.

Wanderparadies vor der Haustür

Natürlich bin ich auch fast täglich losgezogen, um die Zeit in meiner Heimat zu nutzen und die schönsten Wanderstrecken zu begehen. Das Salzkammergut ist hierfür ein wahres Paradies, welches ich nicht mal gegen die Karibik eintauschen würde! Besonders jetzt, so still und leer, ganz ohne Busreise-Touristen und Menschenschlangen, die wir hier so gewohnt sind. Endlich mal ausgiebig meine allerliebsten Wege am Wolfgangsee und auf den noch weißgetupften Almen erwandern.

Besonders schön ist es, nun genug Zeit zu haben einmal um den ganzen See zu spazieren: Die Wolfgangsee- Rundtour von 28km ist freilich nur für wirklich ausdauernde Wanderwadeln geeignet! Ihre schönsten Abschnitte kann man aber auch einzeln gehen, wie es die Eurohike-Reisen „Genusswandern im Salzkammergut“, „Almwandern“ und „10-Seen-Trekking“ vorschlagen.

Meine Favoriten unter den Wanderungen: Die Almenrunde am Sparber, der Pilgerweg über den Falkenstein und die Wanderung zu Schwarzensee und Nussensee. All diese bin ich schon hunderte Male gegangen, doch jedes Mal bin ich erneut begeistert von derartig viel Naturschönheit in einem so kleinen Gebiet!

Besonders liebe ich hierbei die vielen Bergbäche, Fluss- und Seezugänge, wo ein erfrischendes (Fuß-) Bad heißgelaufene Wanderbeine erfrischt. Zu Hause zu wandern bietet mir immer besondere Entspannung: statt Abenteuer in unbekannter Wildnis erlebe ich Genusstouren in der Heimat! Wunderbar ist es mit leichtem Gepäck loszuziehen, Pickel und Steigeisen sowie Navigationsgeräte und Notfallausrüstung daheim zu lassen. Kein Suchen, kein Kartenstudium und keine unerwarteten Überraschungen wie Wegsperren oder Umwege - einfach nur „von Zuhause nach Daheim“ und dann wieder ohne Check-In ins Hotel Heimat. Traumhaft!

Materialpflege

Zwischen Computerreisen und Heimaterkundung widme ich mich ausgiebiger „Materialpflege“: meine circa 500 Wanderkarten und etwa 50 Wanderbücher und -führer inspizieren und sortieren, die GPS-Geräte reinigen und Stirnlampen kontrollieren. Weiters die Vinschgauer Kieselsteinchen und den toskanischen Sand aus meinen Eurohike-Rucksäcken schütteln, Kärntner Straßenstaub und Pinzgauer Waldboden von den Wanderschuhen klopfen. Dann noch gesammelte Bröserl, Fussel und Pflanzenteile aus den Reisekoffern und Taschen wischen...was sich da im Laufe eines Wanderjahres so alles an „Souvenirs“ ansammelt! 😊  

Nicht zu vergessen die „Materialpflege“ des eigenen Körpers: So oft wie möglich ganz tief in der Badewanne abtauchen. Statt den Schaumkronen des Mittelmeers sind dafür auch die sanften Wellen des eigenen Badezimmers gut geeignet. 

Bald geht’s (hoffentlich) wieder los

Sobald es die Bewegungsfreiheit wieder zulässt, werde ich wieder meinen Rucksack packen und Eurohike-Neuland betreten. Zunächst einmal im Heimatland Österreich. Einmal über die Zentralalpen (beziehungsweise mit dem Zug durch den Tunnel) ins sonnige Kärnten! Der Alpe Adria Trail verspricht eine spannende Angelegenheit zu werden: Das unbekannte Gebirgsmassiv der Kreuzeckgruppe und die Großglockner Südseite warten. Weiters ist eine Erkundung der Hohen Tauern im Oberpinzgau geplant. Sobald wir dann wieder Landesgrenzen überwandern dürfen, geht es hinüber ins weiß-blaue Wanderland Bayern.

Hier liebe ich besonders die Salzalpen zwischen dem Königsee und Chiemsee und das Werdenfelser Land zwischen München und Garmisch. Wenn es aber etwas gemütlicher sein soll, gerne auch ein Spaziergang auf dem Jakobsweg zum Hohenpeissenberg, von wo man mit wenig Mühe eine gewaltige Aussicht in die Alpen genießt. Auch das bayrische Voralpenland ist eine Wanderung wert. Aber ob nun Pilgerwege im Hügelland oder Höhentrekkings auf steilen Pfaden: Wandern ist überall schön – auch wenn es statt nach Madeira dieses Jahr ins Mittelgebirge geht!

Wandern mit Abstand – aber ganz nah zur Natur

Ich freue mich auf diesen Sommer, denn er wird sicherlich einzigartig. Vielleicht wird es in den typischen Tourismusdestinationen etwas ruhiger und beschaulicher, wenn ein Teil der Auslandgäste ausbleibt. Es wird keine Konzerte und Veranstaltungen geben, doch vielleicht hören wir dafür das Rauschen des Waldes, der Bäche und den Klang der Kuhglocken umso lauter. Auch wenn wir zu unseren Mitmenschen derzeit Abstand halten müssen, beim Wandern sind wir der Natur besonders nah verbunden. Und eines ist sicher: in der alpinen Landschaft ist genug Platz für uns alle - auch mit Sicherheitsabstand!

Meine Wanderschuhe sind geschnürt und der Rucksack steht bereit, um neue Wanderregionen mit eigenen Füßen zu erkunden. Und wenn ich zwischendurch mal auf den Wolfgangseer Wegen unterwegs bin, freue ich mich dort wieder fröhliche Eurohike Wandergäste zu begrüßen."

#mitleibundseele