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Gästebericht: Jersey, Guernsey & Sark

Eurohike Gast Ilja unterwegs auf den Kanalinseln
Wanderer auf Küstenpfad mit grünem Hang und türkisfarbenem Meer auf den Kanalinseln. Rosa Fingerhut blüht neben dem Weg.

„Ein Stück Frankreich, das ins Meer gefallen ist und von England aufgesammelt wurde“ –  so beschrieb der Schriftsteller Victor Hugo das Gefühl auf den Kanalinseln. Wo britische Manier auf weiße Sandstrände und steile Felsklippen trifft, lässt es sich auch wunderbar wandern. Dies nahm Eurohike Gast Ilja zum Anlass, um gemeinsam mit einer Freundin auf die Inseln Jersey, Guernsey, Sark und Herm mitten im berühmten Ärmelkanal zu reisen. Was die beiden dort erlebten und wo ihre ganz persönlichen Lieblingsplätze zu finden sind, verrät Ilja in diesem Reisebericht. 

Übrigens: Bereits zum zweiten Mal teilt Ilja ihre Wandererlebnisse mit uns. Ein Jahr zuvor erkundete sie die Baleareninsel Mallorca auf der Trans Tramuntana Route. Lesen Sie hier von ihren Eindrücken zwischen dem stillen Landesinneren und belebten Küstenorten.

Wanderer auf Küstenpfad mit grünem Hang und türkisfarbenem Meer auf den Kanalinseln. Rosa Fingerhut blüht neben dem Weg.

Von der Schulbank zum Wandertraum

Manche Reiseträume schlummern jahrelang vor sich hin, bis sie endlich in die Tat umgesetzt werden. Im Mai 2026 bin ich mit Eurohike auf die Kanalinseln Jersey, Guernsey und Sark gereist, doch mein Interesse an diesen Inseln stammt bereits aus den 1980er Jahren. Beim Englischunterricht in der Oberstufe der Sekundarschule waren in den Klassenzimmern Werbeposter für Großbritannien aufgehängt. „Britain is great!“ – so der Werbeslogan.

Neben Bildern von Schlössern, Gärten, Bobbys und den "White Cliffs of Dover" waren auch einige Bilder zu sehen, die ich so gar nicht mit England in Verbindung gebracht hätte: Steilküsten mit subtropisch wirkend blauem Wasser und Palmen. Meine Faszination für die Kanalinseln war geboren. Dieses Interesse schlummerte jedoch im Hinterkopf und es sollte noch viele Jahre dauern, bis mein Wandertraum endlich wahr wurde.

Endlich kann es losgehen: Jersey wir kommen

Gut Ding braucht bekanntlich Weile: Gemeinsam mit einer Freundin mache ich mich auf zu den Kanalinseln. Zunächst reise ich mit dem Zug aus der Schweiz über Paris nach St. Malo, wo ich mich mit meiner Freundin treffe. Von dort wollen wir am nächsten Tag die Fähre nach Jersey nehmen. Nachdem wir uns auf dem Weg zum Hafen noch ein französisches Gipfeli zum Frühstück gegönnt haben, checken wir auf der Fähre ein. In Mitteleuropa herrscht zu dieser Zeit eine regelrechte Hitzewelle und wir vermuten, dass die Temperaturen auf den Kanalinseln deutlich angenehmer sein werden. Bei diesem Wetter sind die Sitzplätze auf den Außendecks beliebt und der Fahrtwind ist sehr angenehm. Ich denke, dass wir die schlimmste Hitze endgültig hinter uns gelassen haben, denn auf den Inseln ist es bestimmt einige Grad kühler und immer windig.

Wanderin geht einen Pfad durch üppige grüne Farne hinunter zu einer Küstenbucht mit blauem Wasser und grünen Hügeln unter klarem Himmel.

„It’s very hot today“, begrüßt uns der Fahrer, der uns am Hafen von St. Helier willkommen heißt und uns zum Hotel für die ersten drei Nächte bringt. “It’s extremely hot”, meint der Hotelrezeptionist beim Check-in. Ja, beide haben recht. Aber wir sind zum Wandern hier und wollen noch heute zur ersten Erkundungstour von Bonne Nuit Bay nach Bouley Bay aufbrechen. Bereits die erste Busfahrt ist ein Abenteuer. Die Wege sind unglaublich schmal und häufig von hohen Mauern gesäumt. Auf der Fahrt fallen uns die wunderschönen Gärten auf, wie man sie in Großbritannien häufig findet. Hier wachsen sogar Palmen und es blühen Blumen, die man eher am Mittelmeer erwarten würde. Ausgehend von Bonne Nuit Bay schlängelt sich der Weg die Küste entlang, zwischen sattgrünen Farnen. Ab und zu gibt es ein schattiges Plätzchen. Die Aussichten wechseln mit jeder Kurve und sind wunderschön. Trotz der Tatsache, dass wir aufgrund der ungewöhnlich hohen Temperaturen nur langsam vorankommen, freuen wir uns über diese Wanderung. Am späten Nachmittag laufen wir dann auch bereits etwas häufiger im Schatten der Klippen. Mit dem Bus geht es zurück nach St. Hélier. Den Sprung ins kühle Nass heben wir uns für einen anderen Tag auf.

Gewundener Küstenweg auf grünen Klippen über felsiger Küste mit blauem Meer. Der Pfad führt entlang steiler Hänge zwischen Bonne Nuit Bay und Bouley Bay.

Leuchtturm und Strände

Im Hotel werden wir am Morgen nett begrüßt, mit dem Wetterbericht für heute: Es soll noch heißer werden als gestern. Mit so hochsommerlichen Temperaturen von 34 Grad hätten wir auf Jersey nicht gerechnet. Wir machen uns wie geplant auf den Weg zum Leuchtturm von La Corbière und haben Glück, dass gerade Ebbe ist. Der Leuchtturm ist über den Damm erreichbar und wir brauchen uns noch keine Sorgen über das aufkommende Wasser zu machen. Denn bei Hochwasser wird die Verbindung zum „Festland“ abgeschnitten, und das scheint recht schnell zu gehen. Heute steht die Wanderung entlang der Küste bis St. Aubin auf dem Programm. Schnell merken wir, dass sich die Landschaft im Vergleich zu gestern verändert hat. Die Küste ist gesäumt von Bunkern, da die Kanalinseln einst ein wichtiger Teil des Atlantikwalls waren. Es gibt aber auch ältere Verteidigungswerke, wie den Ouaisné Tower bei St. Brelade. Nach einiger Zeit fallen die wunderschönen Strände von St. Brelade ins Blickfeld und wir lassen uns an einem schattigen Platz nieder. Die ersten Schritte ins Meer wirken richtig belebend. Zum Schwimmen ist es uns zu kalt, aber bis zu den Knien im Wasser zu stehen, tut unglaublich gut. Nach der willkommenen Abkühlung setzen wir unsere Etappe fort. Eine steile Steigung gilt es noch zu meistern, dann geht es flach und schließlich hinab bis zum charmanten Ort St. Aubin, dessen Strand bis St. Hellier reicht.

La Corbière Leuchtturm auf felsigem Vorsprung umgeben von blauem Meer. Zerklüftete Küstenfelsen im Vordergrund unter blauem Himmel.

Auf historischen Spuren

Da für den heutigen Tag Temperaturen von 33 Grad erwartet werden, passen wir unsere Route an, starten in L’Etacq und laufen dann Richtung Norden. Der Weg führt zu vielen Zeitzeugen vergangener Tage. Bei einer alten Kanone steht ein älterer Herr, der uns anspricht. Er erzählt uns von seinem Vater, der zur Zeit des Zweiten Weltkriegs auf Jersey lebte. Wie wir schon mehrmals erfahren haben, sind die Insulaner sehr gesprächig. Der freundliche Mann hätte bestimmt noch stundenlang erzählen können, aber wir verfolgen unseren Weg, denn wir wollen die beiden Strände, die uns heute noch bevorstehen, nicht zu lange warten lassen. Die Küste ist hier wild und zerklüftet, der Wind frischt auf und wir suchen uns bei der Ruine von Château de Grosnez einen windgeschützten Rastplatz, bevor wir den Weg zum Strand von Plémont Bay antreten. Sobald wir die Küste umrunden und die Bucht von Plémont in Sicht kommt, verstehen wir die Bedeutung des Begriffs „Gezeitenstrand“. Unten an den Felsen ist noch ein kleiner weiß-gelber Streifen Sand, den die Flut allmählich erobert, bis die Wellen schließlich direkt auf die Felsen schlagen. Auf halber Höhe zwischen Meer und Plateau liegt das Plémont Bay Café. Ein perfekter Ort, um zu sehen, wie der letzte Streifen Strand verschwindet. Einige Abenteurer (oder Leichtsinnige?) halten sich noch unten bei der Treppe auf und spielen in den Wellen, die immer weiter Richtung Küste wandern. Das Grand-Finale des Tages ist unsere Ankunft am Strand von Grève de Lecq. Hier lassen wir den Tag ausklingen und wagen den Sprung ins 15 Grad kühle Wasser. Wie gut das tut! Erst um 19 Uhr verlassen wir den Strand voller Vorfreude auf die Insel Guernsey, die wir am folgenden Tag besuchen werden.

Grève de Lecq Bucht auf Jersey mit türkisem Wasser, Sandstrand, dramatischen Felsklippen und grünen Hügeln unter blauem Himmel.
Guernsey: Wo grüne Klippen auf goldene Strände treffen

Als wir um 6:30 Uhr in der Hotellobby eintreffen, kommt uns der Geruch von frischen Croissants entgegen. Da wir jetzt aber abgeholt werden, verpassen wir leider das Frühstück. Die nette Hotelbesitzerin hat uns jedoch eine riesige Papiertüte mit einem Picknick-Frühstück vorbereitet und uns noch schnell zwei warme Croissants dazu gepackt. Somit können wir doch noch gemütlich frühstücken, während wir am Hafen auf unsere Fähre nach Guernsey warten. Da die Fähre zuerst an der Süd- und Westküste von Jersey vorbeifährt, können wir noch einmal vom Meer aus betrachten, wo wir in den vergangenen zwei Tagen gewandert sind. Die Einfahrt in St. Peter Port ist wirklich sehr schön. Die Stadt wurde in die umliegenden Hügel gebaut und auch unser Hotel liegt etwas erhöht. Mit dem Bus geht es nach Jerbourg. Dort umrunden wir zuerst die Pointe de Jerbourg und sehen auch hier spektakulär schöne Strände, die von grünen Klippen gesäumt und von vielen Vögeln bevölkert sind. Die Insel ist vergleichbar mit Jersey, aber doch wieder anders, und wir freuen uns über die Abwechslung, denn auch heute sind wir auf dem Küstenweg unterwegs. Als wir am wunderschönen Strand von Fermain Bay ankommen, ziehen wir unsere Badesachen an. Wir haben es gestern endlich geschafft, im Meer zu baden, also sollten wir uns an die Wassertemperaturen hier gewöhnt haben, oder? Aber irgendwie können wir uns heute nicht durchsetzen. Das Wasser scheint doch etwas kälter zu sein als in Jersey. Ein Bad für unsere müden Wanderfüße erfrischt auch und der Strand ist einfach so besonders schön mit so wenigen Besuchern, dass wir uns glücklich schätzen können, hier sein zu dürfen. Nach der Badepause wandern wir zurück bis zum Hotel und bleiben der Bequemlichkeit halber im Hotelrestaurant zum Abendessen. Als ich nach dem Essen noch einen Spaziergang zum Hafen machen möchte, erwartet mich vor der Haustür eine andere Welt: Dichter Nebel ist aufgezogen und es ist windig und frisch – eine mystische und sehr besondere Stimmung.

Wanderer mit Rucksack auf Küstenpfad umgeben von grüner Vegetation und rosa Blüten, mit Blick auf blaues Meer und entfernte Inseln.
Angekommen auf Sark

Auf den heutigen Tag hatte ich mich im Vorfeld sehr gefreut: Mit der Fähre geht es nach Sark, wo wir eine Rundwanderung machen werden. Die kleine Insel gehört zu Guernsey und ist eine 45-minütige Bootsfahrt entfernt. Da Sark bewohnt ist, dient die Fährverbindung nicht nur dem Tourismus, sondern ist auch für die Einwohner äußerst wichtig. Da wir heute nicht ganz so fit sind, entscheiden wir uns, die Etappe abzukürzen und uns auf den schnellsten Weg zum „Venus Pool“ am Ende der Insel zu machen.

Gewundener Küstenweg auf Sark mit Holzgeländer entlang steiler grüner Klippen. Eine kleine Insel ist im blauen Meer sichtbar.
Herm: Klein aber oho

Am nächsten Tag steht uns eine Wanderung an der Südküste von Guernsey bevor, doch da meine Wanderschuhe Probleme machen, entscheiden wir uns für eine Rundwanderung auf der Insel Herm. Herm ist noch kleiner als Sark, hat einige Restaurants, einen Hafen und eine Treppe, an der die Schiffe bei Ebbe anlegen. Das Wetter könnte nicht besser sein: Sonnenschein und angenehme Temperaturen. Herm schließe ich sofort in mein Herz. Es scheint fast, als wären wir allein unterwegs. Auf der einen Seite ist die Küste von Klippen geprägt, auf der anderen Seite liegen einige unglaublich schöne Strände mit den charmantesten Strandcafés, die ich je gesehen habe. Hinter den Stränden liegt eine Dünenlandschaft, an den Hängen entlang verläuft ein kleiner Wald und das alles auf kleinstem Raum. Herm ist gerade einmal etwas über zwei Kilometer lang und nicht einmal einen Kilometer breit. Trotzdem kostet es uns keine Mühe, fast den ganzen Tag hier zu verbringen. Unsere Wanderung führt an der „Puffin Bay“ vorbei. Wir sehen leider keine Puffins, aber auch ohne Puffins hat sich der Abstecher nach Herm sehr gelohnt. Gerne hätten wir auch den Süden von Guernsey gesehen, aber da wir bereits am letzten Tag unserer Reise angekommen sind, ist dies leider nicht mehr möglich. Morgen treten wir unsere Rückreise über Jersey, St. Malo und den Mont Saint Michel an.

Passagierfähre fährt durch türkisfarbenes Wasser nahe den Kanalinseln. Grüne Inseln und Felsformationen unter blauem Himmel mit weißen Wolken.
Grüner Farn im Vordergrund mit Küstenblick auf türkisfarbene Bucht zwischen grünen Hügeln auf Jersey, Kanalinseln.

Unser Fazit

Nach so vielen Jahren endlich an einem Ort zu sein, auf den man so lange neugierig war, ist schon etwas ganz Besonderes. Ich glaube zwar nicht, dass ich hier noch einmal zurückkommen werde, denn viele der schönsten Ecken haben wir in dieser Woche vermutlich schon gesehen. Im Rückblick hatten wir zudem ein überdurchschnittlich günstiges Wetter. Zugegeben: Die Hitze war teilweise herausfordernd, aber mit einigen Programmänderungen sind wir damit gut zurechtgekommen. Das Badewetter war eine zusätzliche Dimension, mit der wir gar nicht gerechnet hatten. Obwohl ich nicht wusste, was mich erwarten würde, haben mir Jersey und Guernsey eine interessante Woche mit neuen Erfahrungen beschert und mein langersehnter Wunsch hat sich endlich erfüllt.

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