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Reisebericht: Genusswandern im Piemont

Lilly aus dem Marketing erkundet die Genusswelt des Piemonts und ihre kulinarischen Highlights.
Wanderin mit blauem Rucksack steht auf Felsen bei Benevello und blickt auf Hügellandschaft mit Weinbergen im Piemont unter blauem Himmel.

Haselnüsse, Trüffel und Wein, so weit das Auge reicht. Diese Wegbegleiter sind nur drei der wohl bekanntesten, wenn man die von schneebedeckten Alpen umringte Region zu Fuß kennenlernen möchte.

Mein Freund Robert und ich waren, nachdem wir im Herbst die malerische Toskana entdeckt hatten, auf den Geschmack Italiens gekommen. So hat es nicht lange gedauert, bis wir uns fürs Genusswandern im Piemont entschieden haben.
Wer sich vom Zauber der eher untouristischen Alpenvorregion anstecken lassen möchte, und noch nach einem Geheimtipp zum Herbstwandern sucht, liest meinen Reisebericht am besten weiter.

 

Wanderin mit blauem Rucksack steht auf Felsen bei Benevello und blickt auf Hügellandschaft mit Weinbergen im Piemont unter blauem Himmel.

Ankunft in der Trüffelhauptstadt Alba

Mit dem Pkw geht es für uns Richtung Südwesten bis nach Alba zu unserem ersten Hotel, dem Calessano. Dort werden wir vom Personal freundlich an der Rezeption empfangen und können für einen ausgesprochen günstigen Preis von 50 Euro die ganze Woche in der Tiefgarage parken.

Kurz von der langen Autofahrt erholt, wollen wir natürlich das Herz von Alba erkunden, natürlich mit dem Hintergedanken, ein tolles Ristorante mit gemütlicher Lage und herrlichem Essen zu finden. Einfach herrlich, in der warmen Abendsonne im Mai durch die Gassen zu flanieren, in den netten Boutiquen einzukaufen und sich vom feinen Duft leiten zu lassen. Immer der Nase nach kehren wir im sehr empfehlenswerten Bistrot Duomo ein und lassen den Abend bei herrlichen Tajarin al tartufo und einem Glas Barolo ausklingen.

Große Metallskulptur einer stilisierten Figur in einem runden Brunnenbecken auf einem Stadtplatz in Alba, Piemont, mit historischen Gebäuden im Hintergrund.

Immer der Nase nach! Wir schnüren die Wanderschuhe.

Ausgeschlafen und gut gestärkt wandern wir in den Morgenstunden erneut durch Alba und genießen die Ruhe mit einem zarten Duft in der Nase. Denn was wir hier wahrnehmen, ist der Duft der Nutellafabrik, die schon zeitig mit der Produktion startet. Gut beschildert und ausgestattet mit unserer praktischen Eurobike und Eurohike on Tour App wandern wir die ersten Höhenmeter bergauf, vorbei an durchaus noblen Häusern und Villen bis zu einer Abzweigung ins Grüne, mit Blick auf Alba und die angezuckerten schweiz italienischen Alpen.

Durch Mohnfelder queren wir den Weg zu unserem ersten Highlight und der Geburtsstätte eines der bekanntesten Weine: Barbaresco. Pünktlich zur Mittagsstunde gönnen wir uns einen leckeren Snack und kosten einen kleinen Schluck von dem edlen Tröpfchen. Spät nachmittags erreichen wir, rückblickend betrachtet, unsere liebste Unterkunft am Rande von Treiso, das Ca Tupin. Die Gastgeber Luca und Stefania erwarten uns mit zwei verschmusten Hunden und laden gleich zu einem Kaffee und netten Gesprächen ein.

Wanderin mit blauem Rucksack betrachtet die hügeligen Weinberge im Piemont, Italien. Ein Hügeldorf ist in der Ferne sichtbar.
Kristallklarer Jasna See mit smaragdgrünem Wasser, das Berge und Wälder spiegelt. Dichte Nadelwälder umgeben den See in den Julischen Alpen.

Authentische Unterkünfte mit Flair:

Bereits nach den ersten Übernachtungen merken wir, hier waren wir nicht irgendwo untergebracht, sondern diese Unterkünfte waren einfach authentisch und so heimelig, dass wir am liebsten gleich dort bleiben wollten. Besonders das Ca Tupin ist hier wirklich nochmal hervorzuheben, da wir behandelt worden sind wie Könige, Familienmitglieder und Freunde zugleich.

Unterwegs zur Haselnuss-Hochburg

Schnell bemerken wir, wie die Weinfelder deutlich abnehmen, wir immer mehr Höhenmeter sammeln und wir immer mehr durch schattige Wälder wandern. Das kann nur eines bedeuten: Wir sind den Haselnüssen auf der Spur.

Unser heutiges Etappenziel Cravanzana ist bekannt für die weltbeste Haselnusssorte der Welt und Teil des italienischen Originalrezepts der Nutella. Nach der ausgiebigen Wanderung kommen wir in unserer schönen Unterkunft Villa Alta Langa an und werden von der Gastgeberin Petra und ihrem Hund begrüßt. Nach einer kurzen Rast haben wir uns entschieden, im Da Maurizio zu Abend zu essen und Petra war so nett und hat uns die Tischreservierung erledigt und uns noch eine Nussverkostung bei der Farm Cuor di nocciola delle Langhe ihrer Freundin organisiert. Diese war mit Abstand unser Highlight. Ein absoluter Genuss, die Haselnuss in allen möglichen Variationen zu verköstigen. So lecker, dass wir uns seither entschieden haben, diese direkt in großen Mengen nach Hause liefern zu lassen, denn sie legen einen großen Wert auf Bioqualität, Regionalität und Transparenz.

Beleuchtetes Hügeldorf Cravanzana im Piemont in der Abenddämmerung, mit orange leuchtendem Schloss über weißen Häusern, umgeben von Nebel.

Das Dorf der Rosen

Am heutigen Wandertag starten wir zuerst bergab durch die Haselnusssträucher und bergauf mit wunderschönen lichten Stellen auf die benachbarten Dörfer des Piemonts. Weiter auf dem breiten Gratrücken und in den Süden nach Bossolasco, in das berühmte Dorf der Rosen. Hier merken wir sofort, dass es etwas ausgestorben war, denn wie wir vor Ort erfahren haben, ist hier der Haupttourismus zur Weinlesezeit im Herbst. Die Etappen sind mit durchschnittlich 17 Kilometern gut zu bewältigen und technisch überhaupt nicht anspruchsvoll. Da wir Mitte Mai doch in der eher untouristischen Region des Piemonts unterwegs waren, gilt vor allem eines: Immer genügend Proviant einzupacken. Denn leider war es in den Durchzugsorten wie ausgestorben.

Abends in Bossolasco entdecken wir mit der Drogheria di Langa ein eher unscheinbares Restaurant, das sich schnell als echter Glücksgriff entpuppt. Hier kehren wir ein und genießen unser Abendessen vor einem knisternden Kaminfeuer und in einer wunderbar gemütlichen Atmosphäre. Der perfekte Ort, um einen erlebnisreichen Wandertag genussvoll ausklingen zu lassen.

Gelbe Rosen blühen entlang einer Kopfsteinpflasterstraße in Bossolasco, Piemont, mit traditionellen Häusern und Kirchturm im Hintergrund.

Wandern im Serralunga d'Valle

Am nächsten Tag wandern wir gut gestärkt weiter und blicken schon bald zurück auf das rund 750 Meter hoch gelegene Bossolasco, das fast wie ein kleines Bergdorf mitten in den Langhe wirkt. Der heutige Tag zählt wohl zu den schönsten der Reise. Kaum lichten sich die ersten Waldstücke, entdecken wir den Monviso, der majestätisch aus dem Wolkenmeer herausragt. Dazu gesellen sich zahlreiche weitere Postkartenmotive, allen voran das entzückende und lebensfrohe Monforte d'Alba.Bereits zu Mittag wartet der nächste Genussmoment auf uns. Bei einem leckeren Imbiss verkosten wir regionale Haselnüsse und verschiedene Nussöle, die für die Region typisch sind. Am Nachmittag geht es dann weiter zu unserer heutigen Unterkunft. Das Hotel Le Arcate begeistert mit einer traumhaften Aussicht über die Weinberge bis weit in die Ferne.

Doch diesen Ausblick muss man sich erst verdienen. Vom Ort Sinio aus sind noch zwei Kilometer bergauf in der intensiven Nachmittagssonne zu bewältigen. Die Mühe lohnt sich jedoch allemal: Ein kühler Sprung in den Hotelpool sorgt für die nötige Erfrischung, bevor wir den Tag bei einem exquisiten Abendessen im Hotelrestaurant ausklingen lassen.

Hügeldorf Baratta, eingerahmt von grünen Blättern, mit bewaldeten Hügeln und schneebedeckten Alpengipfeln in der Ferne unter blauem Himmel.

Grande Finale in Barolo

Nach einer ausgedehnten Wanderung durch die Weinberge, die uns immer wieder angenehmen Schatten spenden, führt das letzte Stück schließlich in der prallen Sonne hinauf in den Ort. Dort angekommen, geht es direkt ins Hotel, denn bereits am Nachmittag wartet das nächste Highlight auf uns: eine Weinverkostung im Weingut der Marchesi. Bei einer interessanten Führung erfahren wir mehr über die Unterschiede zwischen den Weinen Dolcetto, Nebbiolo und Barolo. Wir lernen, auf welchen Lagen die Reben wachsen, wie sich die verschiedenen Böden auf den Geschmack auswirken und welche Aromen und Noten die einzelnen Weine auszeichnen. Barolo ist weit über die Grenzen Italiens hinaus bekannt und gilt als einer der renommiertesten Rotweine des Landes. Hergestellt wird er aus der Nebbiolo-Traube, die in den Hügeln des Piemonts ideale Bedingungen vorfindet.

Seine komplexen Aromen, seine Eleganz und sein großes Reifepotenzial machen ihn zu einem echten Klassiker unter den italienischen Weinen. Grund genug uns auch selber eine Flasche dieses edlen Tröpfchens zu erwerben. Ein wahrer Genussort mit spannender Geschichte, der Weinliebhaber aus aller Welt in seinen Bann zieht. Nach der Verkostung beschließen wir, Barolo noch etwas genauer zu erkunden und den Tag bei einem gemütlichen Abendessen ausklingen zu lassen. In den kleinen Gassen des Ortes machen wir uns auf die Suche nach einem passenden Restaurant. Gesucht, gefunden: Versteckt in einer ruhigen Seitengasse erwartet uns ein charmantes italienisches Restaurant, das mit regionalen Spezialitäten und gemütlicher Atmosphäre begeistert. Der perfekte Abschluss für einen Tag, der ganz im Zeichen von Genuss, Kulinarik und der piemontesischen Weinkultur steht.

 

Hügelige Weinberge bei Roddino, Piemont, mit lila Wildblumen im Vordergrund. Dorf mit Kirchturm auf Hügel unter blauem Himmel sichtbar.

Mein Fazit:

Für mich war diese Reise ein wahres Erlebnis, denn die Verbindung von Natur und Genuss ist einfach ein absoluter Traum. Wer es lieber lebhaft und bunt mag, sollte die Reise unbedingt im Herbst machen. Wir waren im Mai unterwegs, und da merkt man noch, wie verträumt und ruhig die Region ist. Viele Einheimische haben uns erzählt, dass erst im Herbst zur Weinlese und Trüffelernte das Leben so richtig erwacht.

Dafür waren wir fast alleine auf den Wegen unterwegs und konnten die Landschaft und die besondere Atmosphäre in aller Ruhe genießen. Eine Reise zum Abschalten, Entdecken und Genießen.

Mein Lieblingsplatz:

Am Wegesrand in der immer wärmer werdenden Morgensonne wartet aus dem Nichts ganz unscheinbar ein kleines Holzbankerl. Wir dachten zuerst, das wäre ein netter Platz, um ein Foto zu machen, doch eigentlich war dieser Blick so viel mehr. Arm in Arm sitzen wir da und kommen vollkommen im Hier und Jetzt an, in dieser wunderschönen Landschaft voller Leben und unberührter Natur, lauschen der Tierwelt und genießen die ersten Morgenstunden.

Ein Lieblingsplatz muss nicht unbedingt etwas Einzigartiges sein. Mit einem Blick in die Ferne völlig anzukommen und die Region wahrzunehmen, ist für mich jedoch der schönste Lieblingsmoment und die Definition von Genusswandern.

Frau mit blauem Rucksack sitzt auf Holzbank mit Blick auf grünes Tal im Piemont. Bewaldete Hügel und Berge unter blauem Himmel.
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