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28 Tage, 4 Reisen, 3 Länder: Zu Fuß von München bis Venedig

Gast Walter Mirz und seine emotionale Geschichte
Wanderer mit Rucksack betrachtet Berglandschaft durch Nadelbäume. Alpengipfel in der Ferne unter blauem Himmel auf München-Venedig-Route.

„Es wurde für mich ein Weg, der mein Leben veränderte.“ So beschreibt unser Gast Walter Mirz seine ganz persönliche Reise zu Fuß von München bis nach Venedig. Nach einer schweren Rückenverletzung im Jahr 2020 und zeitweisen Lähmungserscheinungen in den Beinen schien der Wunsch, wieder in die Bergschuhe zu schlüpfen, zunächst in weiter Ferne. Doch Walter gibt nicht auf. Mit viel Willenskraft, intensiver Reha und monatelangem Training findet er Schritt für Schritt zurück zum Wandern und damit auch zu seiner Begeisterung für die Bergwelt.

Schließlich macht er sich auf ein ganz besonderes Abenteuer: In 28 Tagen, auf vier aneinanderreihenden Eurohike Wanderreisen und durch drei Länder wandert er von München bis nach Venedig. In seinem Reisebericht erzählt Walter von seinem persönlichen Weg, besonderen Erlebnissen und einer Reise, die für ihn weit mehr als nur eine Wanderung wurde.

Wanderer mit Rucksack betrachtet Berglandschaft durch Nadelbäume. Alpengipfel in der Ferne unter blauem Himmel auf München-Venedig-Route.

1. Tour: Von München nach Garmisch

Los gehts durch den Süden Deutschlands

.. nur noch 511 Kilometer bis nach Venedig

Früh am Morgen, mit großem Respekt und voller Energie, beginne ich meine große Abenteuerwanderung am Deutschen Museum in München. Es geht an der Isar entlang stromaufwärts und schon nach kurzer Zeit hängt an einer Brücke ein Schild: „Nur mehr 511 Kilometer bis Venedig“ und genau da will ich hin! Bei traumhaftem Wetter lasse ich langsam die Großstadt München hinter mir. Auf dem Jakobsweg geht es auf gut ausgeschilderten Wegen Richtung Schäftlarn, während die Sonne erbarmungslos auf mich herabbrennt. Am Kloster Schäftlarn vorbei führt ein leichter Anstieg Richtung Ebenhausen zu meinem ersten Etappenziel. Doch der erste Wandertag endet mit zwei großen offenen Blasen an beiden Füßen.

Die Hitze, die leichten Wanderschuhe und gerade diese Socken waren wohl keine optimale Kombination. Meine Gedanken kreisen zwischen Aufhören und Weitergehen. Wie kann ich das Problem lösen? Der erste Tag ist geschafft und ich ahne noch nicht, was mich in den restlichen 27 Tagen erwarten wird. Der zweite Tag meiner Wanderung beginnt in Starnberg, diesmal mit meinem zweiten Paar Bergschuhe und dem Ziel Bernried. Der Weg führt durch die Maisinger Schlucht zum Maisinger See und schließlich zurück zum Ufer des Starnberger Sees. Auf schattigen und abwechslungsreichen Wanderwegen geht es durch ein herrliches Naturschutzgebiet am See entlang bis nach Bernried.

Faszination Kochelsee

Eine Bahnfahrt bringt mich nach Kochel am See. Von dort geht es hinauf zu einem Wasserfall, der alle bisherigen Strapazen vergessen lässt. Ein Ort zum Innehalten und einer, den ich wohl nie vergessen werde. Herrliche Waldwege am Bach entlang führen mich zurück zum See. Nach einem guten Frühstück wandere ich rund um den Kochelsee. Der Weg ist stellenweise anspruchsvoller, mit einigen Auf und Abpassagen und steilem Gelände, dafür aber mit herrlichen Ausblicken auf den See. Am Nachmittag bringt mich ein kleines Schiff zurück nach Kochel. Langsam beginne ich zu begreifen, dass sich etwas in mir verändert. Mit jedem Tag dieser Wanderreise werden das Tagesziel und auch das Endziel immer weniger wichtig. Der erste größere Anstieg auf den Herzogstand steht bevor. Ich freue mich auf den Weg, den schon König Ludwig nutzte, um auf den Berg zu gelangen. Im stetigen Anstieg machen sich meine Oberschenkel bemerkbar. Doch der Weg durch diese wunderbare Natur lässt die kleinen Wehwehchen und Sorgen schnell verschwinden.

Blick auf den Kochelsee mit ruhigem türkisfarbenem Wasser, umrahmt von grünen Blättern. Berge und Ufer in der Ferne unter blauem Himmel.

Mit Mut & Zuversicht Richtung Garmisch

Heute freue ich mich auf den Weg hinauf zum Wank, denn auf der anderen Seite liegt Garmisch und dort geht meine erste Wanderwoche zu Ende. Über nasse Wiesen und durch die Finzbachklamm geht es weiter. Stufen und Stege sind rutschig, der Weg stellenweise sehr steil und zugewachsen. Als ich die Schlucht neben mir sehe, steigt ein wenig Angst in mir auf. An meiner bisher größten Herausforderung liegt plötzlich ein kleiner, handbemalter Stein mit der Aufschrift: „Angst beginnt im Kopf, Mut auch!“ Wie wahr. Von Tag zu Tag kehren mehr Frieden und innere Ruhe ein und ich kann all das ganz bewusst genießen. Nach einem Erholungstag in Garmisch begleiten mich Freunde für ein paar Tage. Gemeinsam geht es durch die Partnachklamm, hinauf zum Wamberg und vorbei an Schloss Elmau, dem Ferchen und Lautersee bis nach Mittenwald. Die beeindruckende Bergwelt gibt einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen wird.

Grüne Wiese mit Holzhütte in Wamberg, umgeben von Wald und Bergen unter blauem Himmel auf der Wanderroute München-Venedig.

2. Tour: Von Garmisch nach Meran

Einmal über die Alpen nach Italien

Gemeinsam durch die Tiroler Bergwelt

Nach einer Woche alleine und nur mit mir selbst unterwegs zu sein, merke ich, dass mich diese Zeit verändert hat. Mein Weg ist nun eine Umstellung für mich, denn ich gehe nicht mehr allein. Rücksichtnahme im Team ist gefragt. Bei herrlichem Wetter steigen wir zur Geisterklamm auf und gehen auf Metallstegen in großer Höhe durch die Klamm. Ein schwindelfreies Erlebnis ganz besonderer Art. Weiter geht es hinauf zum Grünkopf, wo uns am Gipfelkreuz ein beeindruckendes Panorama erwartet. Über steile Pfade wandern wir hinab ins Leutaschtal und weiter nach Leutasch, wo heftiger Regen einsetzt. Am nächsten Morgen regnet es noch immer. Alles wird wasserdicht gemacht und wir beginnen unsere Wanderung nach Telfs. Durch den Wald und über rutschige Holzstege geht es durch ein Hochmoor und schließlich durch eine enge Schlucht mit rauen, steilen Felsen Richtung Telfs. Von dort bringt uns ein Transfer nach Nauders. Bei herrlichem Bergwetter schweben wir mit der Sesselbahn hinauf zum Mutzkopf. Vorbei am Schwarzen und Grünen See geht es zum Dreiländergrenzstein. Der Ausblick über drei Länder lässt uns die verbrauchten Kraftreserven schnell wieder auftanken. Schließlich erreichen wir den Reschensee.

Am nächsten Morgen bringt uns die Seilbahn Schöneben wieder hinauf zum Höhenweg. Wir haben Postkartenwetter im Gepäck und wandern durch wohlriechende Zirbenwälder zur Haideralm. Die Ausblicke auf den Reschensee und die alpine Landschaft sind unbeschreiblich. Ein kleiner See, den uns eine Almbäuerin zeigt, erfrischt uns mit einem Bad. Über die Bruggeralm geht es weiter nach Burgeis und schließlich nach Naturns, unserer letzten Station vor Meran. Dieser Tag in der mächtigen Natur, mit einem Adler über uns, bleibt für mich ein unvergessliches Erlebnis. Gut ausgeruht und voller Vorfreude auf Meran geht es am nächsten Tag durch Wein und Apfelplantagen auf dem Waalweg Richtung Meran. Ein heftiges Gewitter mit Starkregen holt uns ein. Zeit für eine Pause mit Kuchen im Schutz eines Gasthauses. Danach begleitet uns ein warmer Sturmwind weiter bis zum Meraner Domplatz. Ich kann es nicht glauben, dass ich schon 14 Tage unterwegs bin und gerade in Meran stehe! Am Ende jeder meiner vier Wanderwochen gönne ich mir einen wanderfreien Tag und eine Auszeit. So hat der erste Absatz den Schwerpunkt gemeinsam weiter bis Telfs, der zweite über Nauders und den Reschensee bis Meran. Das ergibt auch inhaltlich einen natürlichen Schnitt.

3. Tour: Von Meran zum Gardasee

Durch die beeindruckende Bergwelt der Dolomiten

Nach einer Woche alleine und nur mit mir selbst unterwegs merke ich, dass mich diese Zeit verändert hat. Mein Weg ist heute und in den nächsten Tagen eine große Umstellung für mich. Ich gehe nun nicht mehr allein. Rücksichtnahme im Team ist gefragt. Bei herrlichem Wetter steigen wir zur Geisterklamm auf und gehen auf Metallstegen in großer Höhe durch die Klamm. Ein schwindelfreies Erlebnis ganz besonderer Art. Weiter geht es hinauf zum Grünkopf. Das Panorama oben am Gipfelkreuz ist beeindruckend. Über teilweise steile Pfade wandern wir hinab ins Leutaschtal und weiter nach Leutasch, wo dunkle Wolken aufziehen und heftiger Regen einsetzt. Am nächsten Morgen regnet es noch immer. Alles wird wasserdicht gemacht und wir beginnen unsere Wanderung nach Telfs. Durch den Wald und über rutschige Holzstege geht es durch ein Hochmoor hinauf zur Buchner Höhe. Der Regen hört auf und wir steigen durch eine enge Schlucht mit ihren rauen, steilen Felsen Richtung Telfs hinab. In Telfs fährt einer meiner Begleiter zurück nach Garmisch. Ein Bustransfer bringt uns zu unserem nächsten Übernachtungsort nach Nauders. Bei herrlichem Bergwetter schweben wir mit der Sesselbahn hinauf zum Mutzkopf. Der Weg führt vorbei am Schwarzen und Grünen See, in denen sich die Berge um uns spiegeln, und weiter steil hinauf zum Dreiländergrenzstein.

Der Ausblick über drei Länder lässt uns die verbrauchten Kraftreserven schnell wieder auftanken. Über den Höhenweg geht es schließlich hinab zum Reschensee und weiter nach Reschen. Am nächsten Morgen bringt uns die Seilbahn Schöneben wieder hinauf zum Höhenweg. Wir haben Postkartenwetter im Gepäck und wandern durch wohlriechende Zirbenwälder zur Haideralm. Die Ausblicke auf den Reschensee und die alpine Landschaft sind bei dieser Fernsicht unbeschreiblich. Ein kleiner See, den uns eine Almbäuerin zeigt, lädt uns zu einem erfrischenden Bad ein. Über die Bruggeralm geht es weiter nach Burgeis und schließlich mit Bus und Bahn nach Naturns, unserer letzten Station vor Meran. Dieser Tag in der mächtigen Natur, mit einem Adler über uns, bleibt für mich ein unvergessliches Erlebnis. Gut ausgeruht und voller Vorfreude auf Meran beginnen wir unsere Wanderung. Stetig auf und ab, durch Wein- und Apfelplantagen, geht es auf dem Waalweg Richtung Meran. Ein heftiges Gewitter holt uns mit Starkregen ein. Jetzt ist Zeit für eine Pause mit Kuchen im Schutz eines Gasthauses. Nach einer Stunde ist der Regen vorbei und nur ein warmer Sturmwind begleitet uns weiter bis zum Meraner Domplatz. Ich kann es nicht glauben, dass ich schon 14 Tage unterwegs bin und gerade in Meran stehe! Am Ende jeder meiner vier Wanderwochen gönne ich mir einen wanderfreien Tag und eine Auszeit.

4. Tour: Vom Gardasee nach Venedig

Venetiens schönste Seiten bis ans Meer

Durch die Bergwelt rund um Pietramurata

Heute werde ich abgeholt und ein Transfer bringt mich nach Ceniga. Von dort geht es zu Fuß weiter nach Pietramurata. Anfangs durch viele Weinreben, später auf anspruchsvollen Wegen durch die Steinwüste der Marroche mit ihren Dinosaurierspuren. Der Lago di Cavedine begleitet mich noch ein Stück. Das Alleinsein in dieser herrlichen Natur und die Ruhe geben mir Kraft für diesen anspruchsvollen Wandertag. Nach einer kurzen Busfahrt starte ich in Vigolo Baselga. Sonne, Blumenduft und unzählige Schmetterlinge begleiten mich hinab zum Terlago-See und weiter in die Paganella-Berge. Durch Wälder und über karstige Hochflächen bin ich stundenlang allein unterwegs.

Vorbei an alten Festungsanlagen geht es auf teils steilen Pfaden mit beeindruckenden Tiefblicken ins Etschtal hinab nach Vela. Geschafft, spüre ich erstmals die Erschöpfung der Etappe. Entlang der Etsch erreiche ich schließlich Trient. Hier ist das Flair Italiens in all seiner Pracht spürbar.

Apfelplantagen mit Schutznetzen in Pietramurata, vor dramatischen Kalksteinfelsen und Bergen unter blauem Himmel mit weißen Wolken.

Naturjuwel Lago di Levico

Ein Bus bringt mich heute aus der Stadt hinaus nach Pergine Valsugana, dem Startpunkt meiner nächsten Etappe. Vom romantischen Bergort geht’s hinauf zum Castello und mit herrlichen Weitsichten über historische Straßen weiter zur alten Römerstraße Via Claudia Augusta. Oberhalb des Lago di Caldonazzo wandere ich auf schattigen Waldwegen hinüber zum Lago di Levico und schließlich am Seeufer entlang bis in den Thermenort Levico. Jetzt erst mal eine Pause am Ufer.

Für heute Morgen habe ich mich entschlossen, den Weg zur anderen Talseite nach Barco zu Fuß zurückzulegen. Über Bergstraßen und Wanderwege geht’s wieder hinauf in die Bergwelt Venetiens. Steinböcke, beeindruckende Kunstwerke, Wasserfälle und Almen begleiten und begeistern mich auf meinem Weg zur Rifugio Cipriani. Immer öfter stehen Schilder mit Verhaltensregeln bei Bärenkontakt. Also fange ich beim Gehen an zu singen, zu reden und zu pfeifen … vielleicht hilft’s. Durch eine Schlucht und auf breiten Wegen erreiche ich schließlich Borgo Valsugana, wo mich eine tolle Unterkunft erwartet. Ausgeschlafen und nach einem reichhaltigen Frühstück bringt mich ein Transfer durch das Brenta-Tal zum Start der nächsten Etappe. Auf der steilen Alta Via del Tabacco wandere ich durch schattige Wälder und auf kleinen Pfaden Richtung Bassano del Grappa. Nach dem Abstieg erreiche ich wieder die Brenta und schließlich die Ponte Vecchio. Im Poli Grappa Museum wartet eine Verkostung auf mich. Ein tolles Museum, aber schon nach einem Grappa werden meine Beine etwas weich … Noch eine letzte Übernachtung!

Blick auf den Lago di Levico, eingerahmt von grünen Ästen, mit ruhigem blauen Wasser, das Berge und Wolken spiegelt. Fernes Ufer und Gipfel sichtbar.

Grande Finale in Venedig

Heute beginnt meine letzte Wanderetappe in Casier bei Treviso. Ein Transfer bringt mich über die weniger wandergeeigneten Abschnitte dorthin. Von hier geht es immer entlang des Flusses Sile, auf einem Weg, den auch die Radfahrer von München nach Venedig nutzen, was manchmal etwas stressig wird.

Zum Abschluss meiner großen Wanderung erwartet mich noch einmal eine sehr schöne Flussetappe mit Holzbrücken und viel heimischer Natur. Ab Quarto d’Altino fahre ich die letzten Meter mit dem Zug nach Mestre/Venedig.

Nach so vielen Tagen und so vielen unterschiedlichen Eindrücken ist das Erreichen von Venedig für mich sehr emotional. Die Zeit mit mir selbst und in der Natur hat mich verändert, mir neue Lebensfreude und vor allem eine gehörige Portion Selbstvertrauen gegeben. Sie gab mir die Kraft, so manche Ängste und Schattentage zu meistern.

Mit jedem Tag allein in der Natur wurde eines immer klarer: Der Weg wird zu Deinem Weg … und das Ziel wird nicht mehr wichtig. Vielen Dank für Eure tatkräftige Unterstützung bei diesem für mich so wichtigen Weg. Ich freue mich auf die nächste Tour mit Euch als Team! 

Walter Mirz mit erhobenen Armen feiernd in Venedig mit Gondeln und der Kirche San Giorgio Maggiore im Hintergrund.
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